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Neues Langzeit-Speicherprogramm: Großbritannien forciert Batteriespeicher mit bis zu 18 Stunden Entladedauer - Markttrend bereits sichtbar

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Kopenhagen - Großbritannien forciert mit einem eigenen Programm für Langzeitspeicher den Bau von Batteriespeichern mit langen Entladezeiten. Unabhängig vom aufgelegten britischen Speicherprogramm ist der Trend zu längeren Entladezeiten bereits im Markt sichtbar. So baut Copenhagen Infrastructure Partners (CIP) in Schottland einen Vier-Stunden-Speicher und verdoppelt damit die Entladedauer gegenüber seinen drei bisherigen Großspeichern in der Region.

Mit dem Long Duration Electricity Storage (LDES) Cap and Floor Scheme schafft Großbritannien gezielt Investitionsanreize für Langzeitspeicher. Die britische Regulierungsbehörde Ofgem hat bereits Batterieprojekte mit bis zu 18 Stunden Entladedauer vorläufig für das Programm ausgewählt. Damit könnte sich der bereits erkennbare Trend zu längeren Speicherzeiten künftig deutlich verstärken.

Kilmarnock South: CIP verdoppelt Entladedauer bei neuem Großspeicher in Schottland

CIP hat über den Fonds Copenhagen Infrastructure IV die Investitionsentscheidung für Kilmarnock South in Ayrshire getroffen. Der Lithium-Ionen-Großspeicher erreicht 350 MW Leistung und 1.400 MWh Speicherkapazität. Mit voller Leistung kann die Anlage vier Stunden lang Strom ins Netz einspeisen, bei geringerer Leistungsabgabe entsprechend länger. Der Bau hat begonnen, die kommerzielle Inbetriebnahme ist für das erste Quartal 2028 geplant. CIP investiert nach eigenen Angaben mehr als 270 Mio. Euro.

Damit verdoppelt CIP die Entladedauer gegenüber seinen drei anderen schottischen Großspeichern. Coalburn 1, Coalburn 2 und Devilla verfügen jeweils über 500 MW Leistung und 1.000 MWh Kapazität und sind auf zwei Stunden ausgelegt. Coalburn 1 ist seit August 2026 in Betrieb, Coalburn 2 soll 2027 folgen. Insgesamt erreichen die vier Projekte 1,85 GW Leistung und 4,4 GWh Speicherkapazität.

Kilmarnock South fällt mit seiner vierstündigen Entladedauer nicht unter das britische LDES Cap and Floor Scheme, das mindestens acht Stunden voraussetzt. Das Projekt ist damit unabhängig von diesem Programm zu betrachten, zeigt aber den bereits bestehenden Markttrend zu Batteriespeichern mit längeren Entladezeiten.

Ein Treiber des Speicherausbaus ist der hohe Windenergieanteil in Schottland bei gleichzeitig bestehenden Netzengpässen. Nach Angaben des britischen Systembetreibers NESO wurden 2024/25 in Großbritannien 13 Prozent der möglichen Windstromerzeugung abgeregelt. Batteriespeicher können überschüssigen Strom aufnehmen und später wieder ins Netz abgeben.
„Gut gelegene Batteriespeicher bieten wertvolle Flexibilität für das Stromsystem, die es ermöglicht, die vollen Vorteile kostengünstiger erneuerbarer Energien zu nutzen, und stärken so die Versorgungssicherheit und helfen, die Energiekosten für Verbraucher zu senken und zu stabilisieren“, sagt CIP-Partner Nischal Agarwal.

Britischer Batteriespeichermarkt: Entladedauer und installierte Leistung steigen

Dass Kilmarnock South Teil einer breiteren Marktentwicklung ist, zeigen Daten von Modo Energy. Nach Angaben des Marktanalysten ist die durchschnittliche Entladedauer britischer Batteriespeicher von 1,33 Stunden Ende des dritten Quartals 2024 auf 1,65 Stunden Ende des zweiten Quartals 2026 gestiegen. Der neue CIP-Speicher liegt mit vier Stunden deutlich darüber.

Auch die installierte Leistung wächst. Ende Juni 2026 waren nach Berechnungen von Modo Energy 7,6 GW Batteriespeicher in Betrieb, gegenüber 4,5 GW bei Veröffentlichung des britischen Aktionsplans Clean Power 2030 im Dezember 2024. Für 2030 geht die Regierung von einem Bedarf von insgesamt 23 bis 27 GW aus. Dann sollen mindestens 95 Prozent der britischen Stromerzeugung aus kohlenstoffarmen Quellen stammen.

Mit längeren Entladezeiten erweitert sich zugleich das Einsatzspektrum. Batteriespeicher können größere Strommengen über längere Zeiträume verschieben und damit beispielsweise längere Phasen geringer Wind- und Solarstromerzeugung überbrücken.

Cap and Floor statt CfD: Wie Großbritannien den Investitionsrahmen für den Bau von Langzeitspeichern gestaltet

Mit dem Long Duration Electricity Storage (LDES) Cap and Floor Scheme will Großbritannien den Ausbau von Speichern mit mindestens acht Stunden Entladedauer gezielt anstoßen. Für ausgereifte Technologien wie Lithium-Ionen-Batterien und Pumpspeicher gilt eine Mindestleistung von 100 MW, für weniger ausgereifte Technologien liegt die Schwelle bei 50 MW.

Anders als beim britischen Contract-for-Difference-Modell (CfD) für die Stromerzeugung wird nicht ein einzelner Strike Price abgesichert. Stattdessen definiert das Cap-and-Floor-Modell einen breiteren Erlöskorridor für den Betreiber: Fallen die anrechenbaren Erlöse unter die Untergrenze (Floor), zahlen die Verbraucher die Differenz bis zum Floor. Liegen die Erlöse oberhalb der Obergrenze (Cap), werden die darüber hinausgehenden Einnahmen nach den Regeln des Systems mit den Verbrauchern geteilt. Damit begrenzt das Modell das Erlösrisiko der Investoren, beteiligt die Verbraucher aber zugleich an Einnahmen oberhalb des Caps.

Die erste Projektauswahl zeigt die Dimension. Ofgem hat am 26. Juni 2026 vorläufig 16 Projekte mit insgesamt 7,6 GW Leistung und 136,9 GWh Speicherkapazität ausgewählt: elf Lithium-Ionen-Batteriespeicher, drei Pumpspeicherkraftwerke in Nordschottland, einen Druckluftspeicher sowie ein Flow-Batterieprojekt.

Die Entladezeiten reichen von acht bis 32 Stunden. Bei den Lithium-Ionen-Speichern sind bis zu 18 Stunden vorgesehen. Diesen Wert erreichen Field New Deer mit 400 MW und Field Rigifa mit 200 MW. Die drei Pumpspeicher kommen auf 15 bis 32 Stunden, darunter Coire Glas mit 1.440 MW und 32 Stunden, der Druckluftspeicher auf 30 Stunden.

Die vorläufige Auswahl bedeutet allerdings noch nicht, dass alle Projekte realisiert werden. Nach einer Analyse von Modo Energy verfügten Anfang September neun der 16 Projekte über eine vollständige Baugenehmigung. Ofgem berücksichtigt bei der Dimensionierung des Portfolios mögliche Projektausfälle.

Welche Anlagen endgültig in das Cap-and-Floor-Regime aufgenommen werden, will Ofgem im Herbst 2026 entscheiden. Die Entwicklung zeigt damit zwei Stufen des britischen Speichermarktes: Bereits heute steigt die Entladedauer kommerzieller Batteriespeicher. Parallel schafft Großbritannien einen Investitionsrahmen für die nächste Stufe ab acht Stunden - bis hin zu Lithium-Ionen-Projekten mit 18 Stunden Entladedauer.

© IWR, 2026


06.10.2026

 



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